Theorienseminar II: Genealogien der Gegenwart - MA (soz-MA2-2) (200116)

Inhalt

Seminar, 2 SWS

Zeit und Ort: Di, 14:15 - 15:45 Uhr, WSP7 - R.314

vom 21.04.2020 bis zum 30.06.2020

Voraussetzungen / Organisatiorisches:
Prerequisites / Organisational information:

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Inhalt:
Contents:

Giorgio Agamben beschreibt in der Einleitung zu seinem Zyklus des Homo Sacer den „merkwürdige[n] Umstand, daß Foucault seine Untersuchungen nie auf das Feld schlechthin der modernen Biopolitik verlegt hat: das Konzentrationslager und die Struktur der großen totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts.“

Dieser Umstand gilt Agamben als ein Misstand, dem es abzuhelfen gilt, indem er eine Genealogie des Lagers und seiner Bewohner anlegt – der Homines Sacri, heilige Menschen, die nicht geopfert aber doch getötet werden dürfen. Ähnlich wie Foucault in Überwachen und Strafen das Gefängnis zum Paradigma seiner Gegenwart erklärte, mit dessen Hilfe die Subjektivierung des Individuums nachvollzogen werden könne, postuliert Agamben wiederum das Lager als die prägende Struktur, welche moderner Staatlichkeit zugrunde liege. Mal latent, immer häufiger manifest, zeige sich im Paradigma des Lagers, wie eine jede Biopolitik das Risiko in sich trage zur Beförderung des Lebens der Einen das Leben Anderer auszulöschen und so letztlich in Thanatopolitik umzuschlagen.

Anhand einer gründlichen Lektüre dieser berühmten wie kritischen Rezeption des Konzeptes der Biopolitik, werden wir uns fragen, ob diese modifizierende Verschiebung auch für die Gegenwart jene kritische Ontologie unserer Selbst ermöglicht, die Foucault so dringlich an seinem Lebensende einforderte.

Institution: Fach Soziologie
Department: Sociology
 

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